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Kreuzfahrtwissen (nicht nur) für Kids:

Das Bordhospital - was macht eigentlich ein Schiffsarzt? 

 (Dr.med. P. Starmann / C.Starmann 09/2009 - update 02/2012)

 

 
Krank auf einer Kreuzfahrt? Eigentlich möchte man ihn, den Schiffsarzt, ja gar nicht kennenlernen und kranksein im Urlaub ist ohnehin blöd.

 

 Aber wenn es doch mal passiert, ist man auf einem Kreuzfahrtschiff in guten Händen. Denn auf allen Kreuzfahrtschiffen ab 800 Passagieren müssen mind. 2 Schiffsärzte abwechselnd im Dienst sein.

Man ist hier auf der Krankenstation - dem Bordshopital - gut vorbereitet auf Fälle von Seekrankheit und die  kleineren Unfälle des Urlaubsalltags vom Sandflohbiss bishin zum Sonnenbrand. Und auch bei schlimmeren Erkrankungen sind kompetente Helfer an Bord.

Behandlungszimmer / Sprechzimmer auf AIDAblu Bild Mit freundlicher Genehmigung AIDA

 "Was sind eigentlich genau die Aufgaben eines Schiffsarztes/ Bordarztes und wie ist so ein Bordhosital ausgestattet und wie wird man Schiffsarzt?"

 Diese Fragen erreichten uns von der elfjährigen Julia aus Olpe.

Auf modernen Kreuzfahrtschiffen gibt es inzwischen richtige Schiffshospitäler mit Krankenstation und sogar einem kleinen OP-Saal. Röntgengeräte und Ultraschallanlangen gehören zum Standard.

Tipp: Wenn Ihr auf dieser Seite weiter nach unten scrollt, findet Ihr einen bebilderten Rundgang durch das Bordkrankenhaus von AIDAmar mit Erklärungen.

Aber warum gibt es auf einem Kreuzfahrtschiff überhaupt ein Krankenhaus? 

Der Schiffsarzt ist gleichermaßen für  Passagiere und Crew zuständig. Er erfüllt also in erster Linie die Aufgaben eines "Hausarztes" auf See. Wie auch an Land, gehört z.B. die Behandlung  von Erkältungen, Magen-Darmproblemen, Kreislaufschwierigkeiten oder Patienten mit Diabetes, kleineren Verletzungen etc zu seinen Aufgaben.  

Und natürlich kommen insbesondere bei Seegang viele seekranke Passagiere zu ihm oder ihr, denn es gibt natürlich auch Schiffsärztinnen.

Manchmal gibt es aber auch Notfälle an Bord, die eine Behandlung an Land in einer Spezialklinik

 

 

"Intensivstation" Bordhospital AIDAblu - Bild: AIDA Cruises

erfordern. Dann koordiniert der Schiffsarzt die Rettung, bestellt z.B. einen Rettungshubschrauber oder sorgt dafür, dass das Schiff (wenn es nicht weit von der Küste weg ist) den nächst erreichbaren Hafen ansteuert, wo ein Krankenwagen den Patienten in die Klinik bringt. Dafür stimmt er sich direkt mit dem Kapitän ab, denn nur diesem ist er unterstellt. Ein Schiffsarzt hat fast immer den Rang eines 1. Offiziers an Bord. 

 Aufgaben eines Schiffsarztes / einer Schiffsärztin

Außerdem gehören neben der allgemeinen ärztlichen Behandlung von Besatzung und Passagieren normalerweise auch z.B. folgende Aufgaben in sein Verantwortungsgebiet:

- Kontrolle der Bordapotheke (gemäß z.B. deutschen Verordnungen), so fallen Medikamenten Bestellungen in sein Aufgabengebiet.

- Hygienemaßnahmen auf dem Schiff insbesondere bei und zur Vermeidung von Infektionskrankheiten (hierzu stimmt sich der Schiffsarzt mit Kapitän und Umweltoffizier ab)

- Überwachung von Röntgengeräten - Einhaltung der Röntgenverordnung

- Behandlung und Überwachung von Patienten mit Infektionskrankheiten ( also ansteckenden Krankheiten, die auch andere Passagiere gefährden könnten)

- regelmäßige Alkohol- und Drogentests sowie Impfungen der Besatzungsmitglieder

- Abstimmung von Weiterbehandlungen an Land

Krankenstation / Pflegezimmer - Bordhospital AIDAblu Bild: AIDA Cruises

Welche Ausbildung muss ein Schiffsarzt haben?

Eine spezielle, offizielle und direkte Ausbildung zum Schiffarzt gibt es nicht. Das heißt aber nicht, dass jeder auf einem Schiff als Bordarzt arbeiten kann. Es wird in Deutschland sogar eine ganze Reihe an Qualifikationen verlangt:

Jeder Schiffsarzt hat natürlich zuerst ein humanmedizinisches Studium angeschlossen. In aller Regel verfügen sie darüberhinaus über eine fachärztliche Zusatzausbildung und sind z.B. Facharzt für Allgemeinmedizin, Internisten oder Chirurgen. Wichtig sind zudem Kenntnisse aus verschiedenen Fachbereichen, da der Schiffsarzt im Bordhospital ja "interdisziplinär" (also zwischen den einzelnen Fachrichtungen) tätig ist. Perfektes Englisch und Seetauglichkeit sind natürlich ebenso Pflicht.

Außerdem müssen Schiffsärzte Kenntnisse in der Rettungsmedizin besitzen, sind also oftmals auch Rettungsmediziner (Norärzte) und müssen wegen der Bedienung von Rötgengeräten an Bord auch über einen gültigen Nachweis eines sogenannten "Strahlenschutzkurses" verfügen. Manche Schiffsärzte haben zudem ein Zertifikat in "maritimer Medizin"

Ihr seht also, an Bord seid Ihr in guten Händen!  Vielleicht dürft ihr Euch auf Eurer nächsten Reise ja mal das Bordhospital anschauen? 

Noch ein paar Infos zum Abschluss zum Thema Schiffsarzt und Behandlung an Bord:

Was wichtig ist und vielleicht auch erklärt, weshalb Schwangere in den letzten Monaten bzw. Babies unterhalb eines gewissen Alters nicht an Bord dürfen: Es sind keine Pädiater ( Kinderärzte) an Bord und normalerweise verfügt man auch über keine spezielle Ausrüstung wie Inkubator etc. Da bei Säuglingen medizinische Notfälle besonders schnell dramatisch verlaufen können bzw. anders als bei Erwachsenen, dürfen Babies erst ab einem gewissen Mindestalter an Bord.

Oft findet zu Beginn einer jeden Reise ein sogenannter Mediziner Treff statt - hier lernen sich die mitreisenden Ärzte unter den Passagieren kennen und können sich in eine Liste eintragen mit Fachrichtung und Kabinennummer. So weiß derSchiffsarzt, auf wen er im Ernstfall evtl. zukommen könnte. Ein Zahnarzt ist in der Regel auf den meisten Schiffen nicht an Bord, zumindest nicht von Seiten der Crew.

Wer bezahlt die Behandlung durch den Schiffsarzt / Bordarzt?

Normalerweise wird die Behandlung Eurem Bordkonto belastet. Auch auf einem deutschen Schiff mit einem deutschen Schiffsarzt greift normalerweise die gesetzl. Krankenversicherung nur in geringem Umfang*:  "bei Schiffen, die unter der Flagge eines EU-Landes fahren, übernimmt die gesetzliche Krankenversicherung anteilig die Kosten, die auch bei einer Behandlung in Deutschland bei einem Arzt mit Kassenzulassung angefallen wären. Auch die AIDAs (ital. Flagge) und Mein Schiff (Malta) gehören dazu." (*danke an Forumsmitglied Antje für diese Ergänzung!)

Auch einige Private Krankenversicherungen übernehmen je nach Tarif Behandlungskosten im Urlaub, aber selbst dann muss man leider erst selbst zahlen und dann zwecks Erstattung die Rechnung einreichen. Je nach Tarif werden nur die Kosten erstattet, die in Deutschland angefallen wären oder ggfs. die ganze Rechnung.

Ebenfalls ist es durchaus in Einzelfällen möglich, in Deutschland begonnende medizinische Maßnahmen / Behandlungen an Bord weiter führen zu lassen - allerdings muss dies vor der Reise mit der Krankenversicherung abgesprochen werden.

Falls Ihr weitere Fragen habt zum Hospital oder Schiffsarzt, nur keine Hemmungen, fragt nach! info@kids-on-cruise.de
In diesem Sinne: bleibt gesund!
Und wir hoffen natürlich, dass Ihr das Bordhospital nur von außen zu sehen bekommt:

 

 

 
 

 

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