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Kreuzfahrt-Wissen für Kinder (und Erwachsene) - Euren Fragen sind wir für Euch auf den Grund gegangen:

Wasser - Trinkwasser und Abwasser auf einem Kreuzfahrtschiff

Kann man das Wasser aus dem Wasserhahn auf der Kabine trinken? 

Trinkwasser Kreuzfahrtschiff © Carmen Steiner - Fotolia.com

(Autorin & copyright Christine Starmann) Alle Artikel sind urheberrechtlich geschützt - kein Abdruck ohne vorherige Genehmigung

Einige der am häufigsten von Euch gestellten Fragen, die uns erreichen, drehen sich um das Thema Wasser.  Kann man das Wasser aus dem Wasserkran trinken? Was geschieht mit dem Schmutzwasser? Wir sind diesen Fragen auf den Grund gegangen und haben uns an Bord der AIDAblu mit einem Mann getroffen, der es wissen muss - dem Umweltoffizier.
 
 

 Wie wir Euch schon auf dieser Seite erzählt haben, gibt es z.B. auf den AIDA Schiffen (und auf anderen auch) einen Umweltoffizier, der für die Einhaltung von Qualitäts- und Umweltschutzmaßnahmen verantwortlich ist.

Thilo Seibicke ist auf AIDAblu unter anderem auch dafür zuständig, dass immer frisches Trinkwasser an Bord ist und dass nur sorgfältig hochgeklärtes Abwasser zurück ins Meer gelangt. Denn auf den AIDA Schiffen herrscht ein besonders hoher Qualitätsstandard und Umweltschutz wird  sehr ernst genommen.

Aber wie funktioniert das ganze nun? Wo kommt das frische Wasser her und wo geht es hin?

Viele Menschen bezeichnen Kreuzfahrtschiffe als schwimmende Stadt, weil es auf ihnen soviele Einrichtungen wie Restaurants, Kino, Sportcenter und Bars und Discotheken gibt. So ganz falsch liegen sie damit nicht, denn wie in einer richtigen Stadt auf dem Land, gibt es sogar eine kleine Kläranlage an Bord.

Aber dazu gleich mehr. Zuerst beschäftigen wir uns mal mit dem, was aus dem Wasserhahn kommt:

Was kommt aus dem Wasserkran?

Das Wasser in Eurer Kabine aus dem Wasserhahn ist das gleiche, was auch in den Karaffen auf dem Tisch in den Restaurants steht. Frischwasser - erfrischend klar und absolut sauber und frisch!

Dafür dass das immer so bleibt und strengste Hygieneregeln beachtet werden, sorgt der Umweltoffizier. Er ist also einer der wichtigsten Menschen an Bord.

Ein großes Schiff wie die AIDAblu z.B. kann bis zu 2000 Kubikmeter Frischwasser laden -  man nennt es "bunkern". Das ist eine enorme Menge und entspricht etwa der Größe eines Wettkampf-Schwimmbeckens in Eurem Hallenbad.

Was passiert, wenn das gebunkerte Frischwasser mal nicht reicht?

Auf kürzeren Strecken reicht das Trinkwasser normalerweise aus. Auf längeren Fahrtrouten wie zum Beispiel Transatlantiküberquerungen oder auch Routen, bei denen viele Häfen angelaufen werden, bei denen eine Versorgung mit einwandfreiem Trinkwasser nicht immer möglich ist, kommt die schiffseigene Meerwasserentsalzungsanlage zum Einsatz.

Ab einer Entfernung von ungefährt 12sm (1 Seemeile = 1,852km) vom nächsten Ufer springt die bordeigene Wasserproduktion an. Dazu wird Meerwasser aufgenommen und destilliert. Das heißt, es wird erhitzt bis Wasserdampf entsteht - in diesem Wasserdampf ist nur sauberes Wasser ohne Salz und Fremdstoffe. Salz und im Wasser gelöste Teilchen sind zu schwer und steigen nicht als Wasserdampf empor. Dieser Wasserdampf wird aufgefangen und abgekühlt.

 Von dem so entstandenen Trinkwasser kann ein modernes Schiff wie AIDAblu bis zu 500 Kubikmeter pro Tag selbst produzieren.

Eigentlich passiert auf dem Schiff somit das gleiche wie in der Natur mit dem Wasserkreislauf: Wasser steigt als Wasserdampf aus dem Meer auf und kommt als Regen wieder unter. Das geht auf einem Schiff nur alles viel schneller.

Warum schmeckt das Wasser auf einem Kreuzfahrtschiff manchmal nach Chlor?

Chlor wird zur Bekämpfung von Krankheitskeimen auch im Trinkwasser auf einem Kreuzfahrtschiff eingesetzt - Mit fortschreitender Reisedauer der Kreuzfahrt kann es sein, dass mehr Chlor hinzugefügt wird, um zu verhindern, dass sich Krankheitskeime im Wasser bilden bzw. vermehren  können.  
Denn, Trinkwasser darf nach der Trinkwasserverordnung (TrinkwV) keinen Escherichia coli (E. coli) Keim - 0 auf 100 Milliliter - enthalten. Besteht ansatzweise ein Risiko, dass dieser Wert im Trinkwasser auf dem Kreuzfahrtschiff überschritten wird, ist Chlor ein geeignetes Mittel zur Desinfektion und erlaubt (natürlich nicht in Schwimmbad Konzentration). 

Die deutsche Trinkwasserverordnung erlaubt 0,3 Milligramm Chlor pro Liter Wasser - deutlich weniger als in anderen Ländern. Aber man kann es durchaus heraus schmecken. Sollte der Geschmack nach Chlor zu intensiv sein, ist es sicher nicht verkehrt, auf Wasser aus Flaschen umzusteigen, denn auch wenn die Menge im Trinkwasser als nicht gesundheitsschädlich eingestuft wird, heißt es ja nicht, dass es gesund ist, Chlor zu sich zunehmen. Also im Zweifelsfall dem Geschmackssinn vertrauen.

Allerdings kann es sein, dass das Trinkwasser mit Fortschreiten der Reise tatsächlich stärker nach Chlor schmeckt - wer schon einmal in den in US-amerkanischen Großstädten war, der wird sich darüber nicht wundern...auch dort schmeckt so ziemlich jede Cola etc aus dem Automaten (Sirup + Trink-Wasser Gemisch) sogar sehr intensiv nach Chlor. 

Es gibt nur wenige Länder, so wie Deutschland, in denen die Trinkwasserleitungen so gut sind, dass man das Wasser auch wirklich ohne Chlorzusatz trinken kann - dies ist in Deutschland meist der Fall - aber selbst hier kann es hin und wieder zu Trinkwasser-Chlorungen kommen z.B. nach starken Regenfällen und Überflutungen.

schiffseigene "Kläranlage" zzur Reinigung des Abwassers, bevor es ins Meer abgelassen wird

Was passiert mit dem Abwasser?

Das schauen wir uns genau an und lassen uns mal zeigen, wo das Wasser aus der Dusche hinkommt - nämlich in die Kläranlage auf dem Kreuzfahrtschiff. Wer glaubt, hier würde es nun wie in einem Klärwerk an Land schlecht riechen, der irrt. Piccobello sauber ist es hier und man riecht nichts, absolut gar nichts. Das System ist fest geschlossen, so dass keinerlei Geruchsbelästigung entstehen kann.

 Es werden zunächst verschiedene Sorten Abwasser unterschieden, sogenanntens Schwarzwasser (Hospital und Toiletten) und sogenanntes Grauwasser (Bad, Dusche, Küche) - beide Abwasser Arten werden streng von einander getrennt.  Schwarzwasser muss besonders intensiv gereinigt werden.

Im Prinzip funktioniert alles wie bei einer Kläranlage an Land in nur viel kürzrer Zeit. Das Wasser wird in mehreren Filterstufen gereinigt (Sedimentation, verschiedene Filter) und auch eine Bio-Klärstufe (Bioreaktor) darf nicht fehlen.

Damit man diesen Vorgang, der auf dem Land viel Zeit in Anspruch nimmt, beschleunigen kann, wird zusätzlich Sauerstoff eingelassen.

Mehrere Membran-Pumpen sorgen dafür dass das Wasser zuverlässig von einer Filterstufe in die nächste gelangt. Sollte eine Pumpe ausfallen, springt automatisch eine andere an - man spricht von einem "redundanten System".

So wird sichergestellt, dass die Kläranlage auf dem Kreuzfahrtschiff immer zuverlässig funktioniert.

 

hochgereinigtes Klärwasser - regelmäßig wird auf AIDAblu getestet, ob die hoehen Qualitätsstandards / Umweltschutzstandards eingehalten werden. Bild & copyright: T.Seibicke

Das Wasser hat nach dieser Reinigung fast Trinkwasserqualität, es ist lediglich durch feinste gelöste Farbstoffe wie sie in Tee oder Kaffee enthalten sind noch etwas gelblich eingefärbt.

 

Damit auch wirklich nur 1a gereinigtes Wasser ins Meer abgelassen wird, werden regelmäßig Proben genommen und an Bord überprüft. Zweimal im Jahr werden darüber hinaus von externen Laboren Wasserproben entnommen.

Kreuzfahrt mit AIDA: Hier ist das Lächeln zu Hause.

Der entstandene "Klärschlamm" (also die herausgefilterten Feststoffe) dagegen wird getrocknet und gepresst und im nächsten Hafen entsorgt. Bis zu 500 Kubikmeter Abwasser kann die Schiffs-Kläranlage auf AIDAblu täglich reinigen.

Der Tatsache, dass das hochgeklärte Abwasser besonderer Reinheit über den üblichen Umweltschutzstandards entspricht, ist es auch zu verdanken, dass die AIDAblu sogar vor der sonst üblichen 12-Meilen Zone Abwasser ins Meer ablassen darf. Rein theoretisch dürfte die AIDAblu sogar im Hafen Wasser ablassen, was man aber vorsorglich von sich aus nicht tut. Mindestens 4 Seemeilen Abstand zum Land werden grundsätzlich eingehalten, meist hält man sich sogar konsequent an die 12 Seemeilen.

 

In einem solchen Tank wird Abwasser aufbereitet und hochgeklärt, bevor es wieder ins Meer gelassen wird.

Seemansgarn und Klabautergeschichte:

Wenn Euch also noch einmal jemand erzählt, dass Ihr das Wasser aus dem Wasserhahn nicht trinken dürft, dann wisst Ihr es jetzt besser! Es ist bedenkenlos trinkbar!

Die Geschichte, dass aus dem Wasserkran geklärtes Abwasser kommt, ist also nichts anders als modernes Seemannsgarn - zumindest, was die modernen Schiffe der AIDA Flotte betrifft. Prost!

Vielen Dank an dieser Stelle an Thilo Seibicke und Kathleen Bendrich von AIDA Cruises!

Ihr habt auch eine Frage zu Kreuzfahrtschiffen, der wir auf den Grund gehen sollen? Schreibt uns an: Fragen@kids-on-cruise.de - weitere Themen: Schiffe & Gewitter?  Was sind Radome? Warum gehen Schiffe nicht unter?

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